Inklusion am HLG

Inklusion am HLG

Aktuelle Informationen zur Umsetzung der Inklusion am HLG finden Sie unter dem Stichwort Inklusion und unter den Menüpunkten: Was ist los...im Unterricht....Individuelle Förderung

 

„Als Pädagogen haben wir anzuerkennen, dass es normal ist, verschieden zu sein.“ (Kanter)

 


Schritt 1: Information des Kollegiums über Inklusion


In der Lehrerkonferenz vom 4. Oktober 2010 wurde das Kollegium auf der Grundlage  einer  PowerPoint Präsentation der Bezirksregierung Arnsberg zum ersten Male über die gesetzliche Verpflichtung zur Einrichtung eines inklusiven Bildungssystems informiert.

Die Vorstellung, am HLG könne in der näheren Zukunft eine Inklusionsklasse eingerichtet werden, löste große Verunsicherung und Ratlosigkeit aus:

  • Wie sollen wir als Gymnasiallehrer ohne sonderpädagogische Qualifikationen gemeinsamen Unterricht mit lernbehinderten Kindern durchführen?
  • Welche Unterstützungssysteme werden bereitgestellt?
  • Welche räumlichen Voraussetzungen müssen im Vorfeld geschaffen werden?
  • Wie wird die Akzeptanz in der Elternschaft im Allgemeinen sein, insbesondere an unserer Schule im Dortmunder Süden mit recht hohem Akademikeranteil? etc.

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Schritt 2: Hospitation an einem Gymnasium mit einer Inklusionsklasse

 

Um der Ratlosigkeit zu begegnen, bat ich unsere Schulleitung, mir am Phoenixgymnasium in Dortmund-Hörde an einem für mich unterrichtsfreien Tag eine Hospitation in einer Inklusionsklasse der Jahrgangsstufe 5 zu organisieren. Diesem Wunsch kam die Schulleiterin des Phoenixgymnasiums sofort nach, und so erfolgte mein ganztägiger Unterrichtsbesuch am 28. 2. 2011.

In ausführlichen Gesprächen mit verschiedenen Beteiligten erhielt ich Antworten auf kritische Fragen und mögliche Lösungsansätze für antizipierte Probleme. Was aber das Wichtigste war: Ich erlebte eine „funktionierende“ Klasse im Gemeinsamen Unterricht (GU), in der die 4 Förderschülerinnen und die 20 Regelschüler zielgleich (im Sport) und zieldifferent (in den Kernfächern) unterrichtet wurden. Ich sah einen umgebauten hellen und freundlichen Klassentrakt, der auf die Anforderungen einer Inklusionsklasse ideal zugeschnitten schien. Ich erfuhr von ersten positiven Erfahrungen, von einem lernförderlichen Arbeitsklima, großer Toleranz und auch von unerwarteten Fortschritten der Förderschüler. Kann Inklusion doch gelingen? Erste persönliche Kontakte zu einer Inklusionsschule waren somit geknüpft.

 

Schritt 3: Hospitation an einer Förderschule


Um die bisherige Lernumgebung von Förderschülern besser kennen zu lernen, bat ich um einen Hospitationstag an der Adolf-Schulte-Förderschule in Dortmund-Aplerbeck und begleitete wiederum eine 5. Klasse einen Vormittag lang. Die Schulleiterin beantwortete alle meine vorbereiteten Fragen zu den besonderen Bedürfnissen von Förderschülern, zur Klassenraumausstattung, zu Unterrichtsmaterialien, Lehrbüchern, Förderheften. Vor allem die Geduld  und Wertschätzung der dort unterrichtenden Lehrer sowie der selbstverständliche konfliktfreie Umgang mit Andersartigkeit haben mich sehr beeindruckt. Davon können wir Gymnasiallehrer sicherlich viel lernen. Die Schulleiterin hat uns im Falle einer Inklusionsklasse konkrete organisatorische Unterstützung zugesagt.

 

Schritt 4: Arbeitsgruppe Inklusion am Pädagogischen Tag (28. 3. 2011)

 

Nach kurzen Berichten über meine Hospitationen wurde gemeinsam eine Wandzeitung erstellt mit folgenden Unterpunkten:

  1. Grundlagen
  2. Personelle Voraussetzungen
  3. Materielle Voraussetzungen
  4. Weitere organisatorische Vorbereitungen

zu 1:     Besonders erwähnenswert erschien uns, dass eine Inklusionsklasse pro Schule, nicht etwa pro Jahrgangsstufe, geplant ist, dass eine Inklusionsklasse deutlich weniger Schüler hat (15-20 Regelschüler plus 5 Förderschüler) und dass der Unterricht in der Regel zieldifferent, nicht zielgleich, durchgeführt wird. Die unterschiedliche Beteiligung der Fächer stieß auf großes Interesse der Kollegen: so wird z. B. Religion immer gemeinsam unterrichtet, Latein nie, Erdkunde überwiegend gemeinsam. Die Förderschwerpunkte der Inklusionsschüler sind (überwiegend) „Lernen“ und (eher selten) „Emotionale und soziale Entwicklung“. Der Förderlehrer ist für die Reduktion der Lehrinhalte, für die Bereitstellung von individuellem Fördermaterial und für die Bewertung der Förderschüler zuständig, nicht der Gymnasiallehrer.

 

zu 2:     Die Arbeitsgruppe Inklusion nannte als wichtige personelle Voraussetzungen die ausdrückliche Bereitschaft des Lehrerteams, mehrtägige vorbereitende und regelmäßige begleitende Hospitationen an Gymnasien mit Inklusionsklassen, Förderschulen und abgebenden Grundschulen sowie ausreichende Entlastungsstunden für die Koordination mit Förderlehrern und für Teambesprechungen. Letztere müssten im Stundenplan verankert sein. Ohne eine enge inhaltliche und methodische Verzahnung kann unserer Meinung nach Inklusion nicht gelingen. Weitere Lehrerstellen sowie wirksame Unterstützungssysteme durch Integrationshelfer, Sozialarbeiter und Paten erscheinen uns unverzichtbar.

 

zu 3:     Um Inklusion zu realisieren, sind auch materielle Voraussetzungen nötig: zwei benachbarte Klassenräume sind mit einer Verbindungstür auszustatten, wobei der Förderraum eine Küche, Schränke für individuelle Fördermaterialien sowie zwei Computerarbeitsplätze enthalten soll. Der K-Trakt des HLG böte sich hier an, da er ebenerdig und für kleinere Lerngruppen ausgelegt ist.

 

zu 4:     Inklusion beginnt zuallererst „in den Köpfen“ und deshalb sind alle am Schulleben Beteiligten im Vorfeld umfassend zu informieren. Neben der Information des Kollegiums kommt dabei der Elternarbeit besondere Bedeutung zu, insbesondere der Information der Eltern der zukünftigen Fünftklässler. Wünschenswert ist die ausdrückliche Zustimmung der Eltern der zukünftigen Inklusionsklasse. Über Schulpflegschaft, Tag der Offenen Tür, Homepage etc. ist eine rechtzeitige Information der Elternschaft des HLG wünschenswert, um Angst vor dem Unbekannten abzubauen.

In der SV soll darüber hinaus für die Übernahme von Patenschaften geworben werden. Möglich wäre nach der Vorstellung der Inklusionsgruppe auch ein Projekttag zum Thema „Umgang mit Andersartigkeit“, um einer Ausgrenzung von Förderschülern durch Mitschüler vorzubeugen.

 

Schritt 5: Nächster Meilenstein

 

Bei der Vorstellung unserer Gruppenergebnisse im Plenum wurde vom Kollegium als nächster Meilenstein der Wunsch nach intensiver Fortbildung des gesamten Kollegiums durch erfahrene Inklusionslehrer geäußert (z. B. Lehrer des Wuppertaler Gymnasiums Bayreuther Straße). Dies sollte auf einem Pädagogischen Tag zu Beginn des Schuljahres 2011/2012 erfolgen.

Wichtig ist die Erkenntnis, dass Inklusion nicht nur 25 Kinder und 10 Lehrer an einer Schule betrifft, sondern eine Chance ist zur Bekämpfung diskriminierender Haltungen und damit zur Verbesserung der Sozialkompetenz an der gesamten Schule.

 

Mechthild Pötter