Einführung Philosophie

 

Philosophie

 

„Nunmehro denkt er, er werde Philosophie lernen, welches aber unmöglich ist, denn er soll jetzt philosophieren lernen.“ (Immanuel Kant)

„Philosophieren...bedeutet Gespräche führen, um sich im Gespräch Klarheit über schwierige und bedeutende Dinge zu verschaffen - und nicht nur Information. Philosophieren kann nur aufkommen, wo man Zeit hat und ein gewisses Zutrauen zu der Kraft und Funktion des Denkens. Unsere Schulen lehren uns die Bedeutung von Wissen, von Leistung und Lösungen, nicht aber die Freude an der Problematisierung.“ (Hartmut v. Hentig)

Dazu bedarf es der Schule, die sich bewusst macht, dass ihre Bezeichnung von einem griechischen Wort stammt, das eigentlich „Muße“ bedeutet. Muße ist geschenkte, freie, schöpferische Zeit. Lernen in Muße, Bildung durch behutsames Aufnehmen von Bildern, Zeit, sich in Ruhe umzusehen in der Welt der Natur und des Geistes:

daran will sich der Unterricht im Fach Philosophie versuchen.

 

Der Philosophieunterricht thematisiert die Grundlagen des menschlichen Wissens und Denkens, die Normen und Werte des Handelns und die Bedingungen der Wirklichkeit in ihren kulturellen, gesellschaftlichen, ökonomischen, geschichtlichen und politischen Erscheinungen. Ziel des Philosophieunterrichts ist es, durch die Einübung von Methoden, durch die Kenntnis grundlegender Problemlagen des Erkennens, Denkens und Handelns bei den Schülerinnen und Schülern die Fähigkeit zu entwickeln, sich sachlich fundiert, methodisch kontrolliert, vernunftgeleitet, diskursiv und argumentativ mit der Wirklichkeit und deren Modellen, mit anderen Menschen und ihren unterschiedlichen Positionen auseinander zu setzen.

Bezugsdisziplin des Philosophieunterrichts ist die Philosophie mit dem an der Universität gelehrten Spektrum an Autoren, Positionen und Problemen. Allerdings kann es nicht die Aufgabe des Philosophieunterrichts sein, professionelle Philosophen auszubilden, auch geht es nicht nur um eine Vorbereitung auf das Studium der Philosophie, sondern auch darum, die Schülerinnen und Schüler vertraut zu machen mit den überkommenen Positionen, Problemstellungen, Problemlösungen und Methoden der Philosophie sowie mit den Verfahren, sich philosophische Texte aus eigener Kraft zu erschließen. Auf diesem Wege sollen sie Freude an der Begegnung mit der philosophischen Tradition entwickeln und zur argumentativen Auseinandersetzung mit ihr befähigt werden. In dieser Auseinandersetzung mit den philosophischen Problemen der Bestimmung des Menschen, des Handelns, des Erkennens und des Seins lernen die Schülerinnen und Schüler nicht nur ein Vielzahl unterschiedlicher Fragestellungen und Antworten kennen, sondern auch tragfähige Versuche, eine geschichts- und kulturunabhängige gültige Bestimmung des Menschen, seiner Rechte und Pflichten zu entwickeln. Dies umfasst auch die Verantwortlichkeit für Mitmensch und Umwelt.

Da es in der philosophischen Problembearbeitung ganz besonders auf die Klarheit und Eindeutigkeit der Begriffe und Argumentationen ankommt, ist es erforderlich, bei den Schülerinnen und Schülern das analytische, interpretatorische und argumentative Ausdrucks und Darstellungsvermögen zu schulen. Dabei ist die Fähigkeit zum philosophischen Argumentieren an der Bereitschaft abzulesen, eigene und fremde Positionen einem kritischen Diskurs auszusetzen.

Da die Philosophie die Grundlagen menschlichen Erkennens, Denkens und Handelns thematisiert, ist auch der Philosophieunterricht fachübergreifend und fächerverbindend.

 

 

Informationen zum hausinternen Curriculum des Faches finden sich im Downloadbereich.

 

 

 

 

 

Praktische Philosophie

 

Der Unterricht im Fach Praktische Philosophie richtet sich an Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen. Praktische Philosophie wird am Helene Lange Gymnasium in allen Jahrgangsstufen jeweils zweistündig angeboten.

Angesichts einer wachsenden Zahl unterschiedlicher sozialer Lebensformen und Wertvorstellungen sowie durch das Zusammenleben von Menschen verschiedener Kulturen und religiöser Vorstellungen ist die Orientierung in unserer Gesellschaft für Jugendliche schwieriger geworden. Das Fach Praktische Philosophie trägt zu einer zusammenhängenden Behandlung von Sinn- und Wertfragen bei. Während dies im Religionsunterricht auf der Grundlage eines Bekenntnisses geschieht, übernimmt das Fach Praktische Philosophie diese Aufgabe polyperspektivisch im Sinne einer Wertorientierung ohne Bindung an eine bestimmte Religion oder Weltanschauung.

Bisher unreflektierte eigene Handlungsmaßstäbe sollen in ihrem Zusammenhang mit gegenwärtigen gesellschaftlichen Normen erkannt und vor dem Hintergrund ihrer ideengeschichtlichen Wurzeln erörtert werden. Daher sollten die Schülerinnen und Schüler dazu angeleitet werden, sich mit den wertbezogenen Bedingungen eigenen und fremden Denkens bewusst und verantwortlich auseinander zu setzen. Der Unterricht soll dabei helfen, Kriterien für die Beurteilung konkurrierender Wertvorstellungen zu entwickeln. Den Schülerinnen und Schülern wird die Möglichkeit geboten, religiöse und weltanschauliche Vorstellungen, die unsere eigene und fremde Kulturen geprägt haben, aus ihren Ursprüngen und Traditionen heraus zu verstehen.

Zentrales Anliegen des Faches ist es, zur Entwicklung von Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler beizutragen, die sie befähigen, die Wirklichkeit differenziert wahrzunehmen und in einer demokratischen Gesellschaft selbstbestimmt, verantwortungsbewusst und tolerant zu leben.

Ausgangspunkt für die Themenwahl sind die Sichtweisen der Schülerinnen und Schüler. Aus ihren lebensweltlichen Erfahrungen kommen die Fragen, die Orientierungsbedarf signalisieren. Im gemeinsamen Nachdenken sollen die zugrundeliegenden Wertvorstellungen bewusst gemacht und auf ihre Bedeutung und Gültigkeit hin befragt werden.

Unterrichtsgegenstände und Probleme aus unterschiedlichen Perspektiven wahrzunehmen, eigenes Denken zu erproben und dabei neue Fragen zu finden und zu prüfen macht den Unterrichtsverlauf aus. Die Auseinandersetzung soll vernunftgeleitet geführt werden, d. h. verschiedene begründbare Standpunkte können nebeneinander bestehen bleiben, mit der Argumentation des anderen ist respektvoll umzugehen. Die Vielzahl möglicher Inhalte des Faches lässt sich zu Fragenkreisen bündeln. Die nachfolgend aufgeführten sieben Fragenkreise

 

  1. Die Frage nach dem Selbst

  2. Die Frage nach dem Anderen

  3. Die Frage nach dem guten Handeln

  4. Die Frage nach dem Recht, Staat und Wirtschaft

  5. Die Frage nach Natur und Technik

  6. Die Frage nach Wahrheit, Wirklichkeit und Medien

  7. Die Frage nach Ursprung, Zukunft und Sinn

 

geben einen Überblick über mögliche Themenschwerpunkte.

Bei der Umsetzung der Aufgaben und Ziele des Faches helfen fachspezifische Prinzipien und Methoden.

 

 

Informationen zum hausinternen Curriculum des Faches finden sich im Downloadbereich.